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Stetig ansteigendes, massives Übergewicht, regelmässige und entwürdigende
Fressattacken, unkontrollierbar gierige Nahrungsaufnahme mit darauf
folgenden Scham- und Schuldgefühlen weisen auf eine Sucht hin – auf
Esssucht.
Es ist eine den Körper verunstaltende Sucht, welche gerade bei einem Mädchen
oder einer Frau in unserer westlichen, überaus mode- und
gesundheitsbewussten Gesellschaft einer Kastration gleichkommt.
Schlimm ist zudem, dass diese psychisch bedingte Fettleibigkeit keinerlei
Lobby hat. Sie ist in der Öffentlichkeit stumm, weil nach wie vor als Sucht
unerkannt. Esssucht ist nicht salonfähig, die durch sie verunstaltete
Menschen gelten einfach als unschön und ihre Erscheinungsbild wirkt
allgemein peinlich.
Es gibt keine aufklärenden Inseratekampagnen zum Thema Esssucht und keine
breitgestreuten, informative Aufrufe für vermehrte Aufmerksamkeit und
proaktive Zuwendung für die vielen Betroffenen - wie längst und völlig
selbstverständlich bei sonstigen Suchterkrankungen.
So haben Beratungsstellen und Selbsthilfe-Gruppen für Esssüchtige nach wie
vor den Status von Insider-Tipps. Erzieherische und schulische
Präventionsmassnahmen sind – wiederum mangels gezielter Informationen -
nichtexistent. Im Kollektiv, in der öffentlichen Wahrnehmung gibt es
Esssucht schlichtweg nicht.
Der Bumerangeffekt ist verheerend: Esssüchtige Menschen können/dürfen sich
selbst nicht als krank erkennen, sondern fühlen sich fälschlicherweise
zugehörig zu den Heerscharen der „Dicken“. Sie verhalten sich und ihrem
Körper gegenüber entsprechend, also falsch und kontraproduktiv. Zu ihrer
Sucht gesellt sich im Allgemeinen eine weitere hinzu: die wachsende
Abhängigkeit von Ratgebern und verschiedensten Diäten.
Zwischen Dicksein (oder regelmässig einige oder mehrere Kilos zuviel auf die
Waage bringen) und Esssucht liegen Welten. Das eine mag eine persönliche
Wahl sein oder ist medizinisch bedingt – das andere ist eine seelische
Erkrankung, durchaus analog der Abhängigkeit von Drogen und Alkohol.
Es kann nicht deutlich genug betont werden: Die Begriffe Adipositas
(Fettleibigkeit) und Esssucht sind NICHT deckungsgleich, obwohl sie
sich in ihrer körperlichen Manifestation überschneiden. Esssucht ist das
Symptom, der Ausdruck eines psychisch bedingten „Mechanismus“, der
wiederholt und anfallartig zur übermässigen und unkontrollierbaren
Nahrungsmittelaufnahme drängt. (...) |